Erfolgreich im Job ohne formale Qualifikation?

Worauf achten Sie als Erstes, wenn Sie eine Bewerbung lesen?

Die erworbenen Abschlüsse? Oder vielleicht doch die vorhandene Berufserfahrung?

Die vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie der Ruhr Universität Bochum im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt, wie hoch der Anteil der ungelernten Fachkräfte und damit die formale Unterqualifikation in Deutschland ist.

Was bedeutet das für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Praxis und welche Schlussfolgerungen für Personalverantwortliche lassen sich daraus ziehen?

Erfolgreich im Job ohne formale Qualifikation?

Jede/r zweite Arbeitnehmerin/Arbeitnehmer arbeitet als Fachkräfte ohne formale Ausbildung. Jedem/Jeder Fünften fehlt die Ausbildung für seinem/ihren Job. 60 Prozent der Führungskräfte sind formal unterqualifiziert.

So lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie, die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung erstellt wurde.

Demnach ist die Zahl der Menschen, die ohne entsprechende Qualifikation erfolgreich in Berufen mit höheren Anforderungen arbeiten, überraschend hoch.

Formal unterqualifiziert, aber erfolgreich im Beruf – Was zeichnet Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus, die trotz fehlender formaler Qualifizierung, den Sprung in eine bessere Beschäftigung geschafft haben?

  • hohe Leistungsbereitschaft
  • hohe Lernbereitschaft und Lernfähigkeit
  • hohe Ausprägung allgemeiner Kompetenzen
  • hohe Ausprägung analytischer und interaktiver Kompetenzen
  • oft lange Berufserfahrung
  • firmenintern weitergebildet
  • on-the-Job erworbene Fähigkeiten und Praxiswissen

Mit anderen Worten: Ein großes Know How, was oft nicht auf dem Papier zu sehen ist und das, wie die Studie zeigt, viel zu oft mit einem geringeren Lohn und schlechteren Zukunftsperspektiven bei einem Jobwechsel einhergeht.

Vor dem Hintergrund eines umkämpften Arbeitsmarktes mit Fachkräfte-Engpässen fordern Wissenschaftler daher eine neue Anerkennungskultur:

  • in der Praxis erworbene Kenntnisse in Beurteilungen stärker gewichten
  • formale Anerkennung honoriert vorhanden Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und eröffnet individuelle Chancen
  • Anerkennungs- und Qualifizierungsverfahren, die individuell an den jeweiligen beruflichen Tätigkeitsfeldern ansetzen (z.B. Ausbildungs- und Qualifizierungsbausteine)
  • bewusste Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen im Sinne einer aktiven Mitarbeiterbindung
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